Wie die Jungs

Wie die Jungs

Wer möchte nicht die Klamotten von Comme des Garcons tragen, bitte die Hand heben! Wer stand 2008 nicht Schlange vor H&M , um zumindest das gepunktete Tuch aus der limitierten Kollektion zu kaufen, die infolge der Kollaboration der Marke mit der Kette entstanden ist? Seit über 30 Jahren ist Comme des Garcons die Quintessenz der Avantgarde. In der Kleidung mit dem japanischen (obwohl französisch klingenden) Label hat sich die Boheme verliebt. Unter den Fans sind Schauspieler, Künstler, Fotografen, Musiker und Modedesigner wie John Malkovich, Cate Blanchet, Jean Paul Gautier, Brian Griffin, Björk, Tilda Swinton, Herb Ritts, Karl Lagerfeld, Helmut Lang und Martin Margiela.

Soeben erschien die großformatige Monografie über Rei Kawakubo (Taschen Verlag, nicht zu viel Text, dafür aber tolle Fotos), der Gründerin und Hauptdesignerin dieser Marke. Kawakubo schockiert immer wieder damit, was die Mode, die sich nicht um Konventionen schert, mit dem menschlichen Körper anstellen kann. Asymmetrische Kleidungsstücke, aufgeschichtet, drapiert, zerrissen, gewickelt, gebunden, an untypischen Stellen ausgebaucht, mit Nähten nach außen – das ist die Klassik von Kawakubo. Willst Du ein Kleid mit Buckel, geh zu Comme des Garcons. Gefragt nach Einschränkungen, die einem Designer die weibliche oder männliche Silhouette aufzwingt, antwortet sie: „Es gibt keine Einschränkungen“.

Kawakubo hat Comme des Garcons 1969 erfunden und Anfang 80er mit ihrem europäischen Debüt Paris in Staunen versetzt. Die Presse schrieb über den „schwarzer Schock“, über „Bettlermode“ und „Hiroshima chic“: dass die Entwürfe der Japanerin an die Kleidung von Opfern der Atomexplosion erinnern. Schon damals haben die Leute von der Branche beurteilt, dass „die Mode seitdem nie wieder dieselbe sein wird“. Es stimmt, sie ist nicht dieselbe.
Aha, Rei Kawakubo hat ihre Firma Comme des Garcons (Wie die Jungs) genannt, weil ihr der Klang der Worte gefallen hat: einige Monate davor begeisterte sie sich für das zufällig gehörte Lied „Tous les garcons et les filles” (alle Jungs und Mädchen) von Francoise Hardy.

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